Alexander von Humboldts „Aztekische Priesterin“ alias die Chalchiuhtlicue aus der Sammlung Guillermo Dupaix. Historiografischer Essay einer Translokation von Mexico-Stadt nach London

  • Foni Le Brun-Ricalens
  • Leonardo López Luján
  • Claude Wey
Schlagworte: Lateinamerika; Mexiko; British Museum; Translokation; Historiografie; Guillermo Dupaix; Mexikanische Wassergöttin; Chalchiuhtlicue

Abstract

Zusammenfassung

Während seines Aufenthalts 1803 in Mexiko machte von Humboldt die Bekanntschaft von Dupaix, einem spanischen Soldaten luxemburgischer Herkunft und Liebhaber präkolumbischer Altertümer. Die Entdeckung verschiedener Manuskripte Dupaix’ sowie die Untersuchung diverser Archive und persönlicher Aufzeichnungen des Freiherrn und von Dokumenten unterschiedlicher Institutionen beiderseits des Atlantiks erlauben es, den außergewöhnlichen Weg eines berühmten mexikanischen Objekts, der Chalchiuhtlicue, nachzuvollziehen, die der preußische Forschungsreisende 1810 als „aztekische Priesterin“ in seinem Buch Vues des cordillères … beschrieben hatte. Der vorliegende Beitrag versucht, die verschiedenen Besitzer und die Umstände nachzuzeichnen, welche die Wanderung dieser emblematischen prähispanischen Statuette von Mexiko-Stadt nach London fast ein halbes Jahrhundert lang begleitet haben.

Abstract

In 1803, during his sojourn in Mexico, von Humboldt made the acquaintance of Dupaix, a Spanish soldier of Luxemburgish origin with a keen interest in pre-Columbian art. The discovery of several manuscripts belonging to Dupaix, together with a study of various archives and personal notes left by Humboldt, not to mention the documents held in different institutions on both sides of the Atlantic, have made it possible to recreate the remarkable itinerary of a famous Mexica work of art, that of Chalchiuhtlicue. In his ground-breaking work Vues des cordillères  … published in 1810, the Prussian explorer had referred to her as an “Aztec Priestess”. In this article we attempt to trace the various successive owners of this emblematic pre-Hispanic statuette and the circumstances surrounding the period of almost 50 years it spent wandering between Mexico and London.

Resumen

El descubrimiento de diferentes manuscritos de Dupaix, militar español de origen luxemburgués afi cionado a las antigüedades precolombinas que se entrevistó en 1803 con von Humboldt con motivo de su estancia en México, unido al examen de diversos archivos y notas personales del barón, así como de documentos conservados en diversas instituciones de uno y otro lado del Atlántico, permite seguir el recorrido singular de una célebre antigüedad mexicana, a saber la Chalchiuhtlicue, que el explorador prusiano identifi có en 1810 como una “sacerdotisa azteca” en su obra Vues des cordillères … La presente contribución intenta rastrear a los sucesivos diferentes propietarios y las circunstancias que han acompañado durante más de medio siglo a la peregrinación de esta emblemática estatuilla prehispánica de México a Londres.

Autor/innen-Biografien

Foni Le Brun-Ricalens

Der an den Universitäten Toulouse und Paris X-Nanterre ausgebildete Archäologe und Prähistoriker Foni Le Brun-Ricalens wurde 1994 zum Kurator der Abteilung für Vorgeschichte des Nationalmuseums für Geschichte und Kunst (Musée national d’Histoire et d’Art, MNHA) in Luxemburg ernannt, wo er für die Sammlungen als auch die Dauerausstellungsräume der Vorgeschichte des neuen Museums zuständig war, welches 2002 neu eingeweiht wurde. Seit 2006 leitet er das im selben Jahr gegründete Nationale Zentrum für Archäologische Forschung (Centre national de recherche archéologique, CNRA). Seitdem zeichnet er sich für die Institutionalisierung des wissenschaftlichen, technischen und juristischen Management des archäologischen Erbes von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart im Großherzogtum verantwortlich und kooperiert in verschiedenen nationalen und internationalen Forschungsprojekten, im Besonderen zur Transition des Neandertalers/ Homo sapiens sapiens und zur Historiografie der luxemburgischen Archäologen. Er ist Mitglied des Großherzoglichen Instituts (Institut grand-ducal, section Sciences historiques) sowie Vertreter Luxemburgs in der UISPP (Union Internationale de Pré- et Protohistoire).

Leonardo López Luján

Leonardo López Luján (geb. 1964) ist ein mexikanischer Archäologe und Historiker, der sich auf präkolumbianische Zivilisationen in Mesoamerika spezialisiert hat. Ausgebildet an den Universitäten Mexico (ENAH, 1983-1987) und Paris X-Nanterre, wo er 1998 promovierte, ist er derzeit Professor und Studienleiter am INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia) in Mexiko und Mitglied des renommierten Colegio Nacional. Seit 1991 leitet er das Projekt Templo Mayor. Er hat verschiedene Ausstellungen organisiert sowie zahlreiche Bücher und Artikel zur prähispanischen Archäologie und Geschichtsschreibung veröffentlicht.

Claude Wey

Claude Wey (geb. 1954), Historiker. Studium der Geschichte, Geographie und Sozialwissenschaften an der Sorbonne (Paris I Panthéon-Sorbonne). Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre national de recherche archéologique Luxembourg (CNRA) und am Musée national d’histoire naturelle Luxembourg (MnhnL). Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Luxemburgs sowie Luxemburger Migrationsgeschichte. Claude Wey hat u. a. eine Reihe von Studien zu den vielfältigen Beziehungen zwischen Luxemburg und Lateinamerika vorgelegt.

Veröffentlicht
2021-08-06
Zitationsvorschlag
Le Brun-Ricalens, F., López Luján, L., & Wey, C. (2021). Alexander von Humboldts „Aztekische Priesterin“ alias die Chalchiuhtlicue aus der Sammlung Guillermo Dupaix. Historiografischer Essay einer Translokation von Mexico-Stadt nach London. HiN - Alexander Von Humboldt Im Netz. Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien, 22(43), 13-28. https://doi.org/10.18443/334
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