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Ulrich Päßler

Die edition humboldt digital

Dokumente zur Neuausgabe der
Ideen zu einer Geographie der Pflanzen (1825–1826)

Abstract

In addition to the travel diaries of the American and Russian voyages, the edition humboldt digital also contains correspondence, manuscripts and notes that were created in the context of Humboldt’s research agenda. During the years 1825 and 1826 Humboldt and the botanist Carl Sigismund Kunth worked in Paris on a new edition of the Essay on the Geography of Plants (1807). Although they eventually gave up this book project, the present edition of the collection of ideas, excerpts and theses compiled, commented on and annotated by the authors offers insights into practices of collaborative reading, research and writing.

Résumé

Outre les carnets de voyages américains et russes, l’edition humboldt digital contient également la correspondance, les manuscrits et les notes qui ont été créés dans le cadre du programme de recherche de Humboldt. Pendant les années 1825 et 1826, Humboldt et le botaniste Carl Sigismund Kunth travaillent à Paris sur une nouvelle édition de l’Essai sur la Géographie des Plantes (1807). Bien qu’ils aient fini par abandonner ce projet de livre, la présente édition du recueil d’idées, d’extraits et de thèses compilés, commentés et annotés par les auteurs permet d’avoir un aperçu des pratiques collaboratives de lecture, de recherche et d’écriture.

Zusammenfassung

In der edition humboldt digital erscheinen neben den Reisetagebüchern der amerikanischen und der russisch-sibirischen Reise Korrespondenzen, Manuskripte und Notizen, die im Kontext des Humboldt’schen Forschungsprogramms entstanden. In den Jahren 1825 und 1826 arbeiteten Humboldt und der Botaniker Carl Sigismund Kunth in Paris an einer Neuausgabe der Ideen zu einer Geographie der Pflanzen (1807). Obwohl sie dieses Buchprojekt schließlich aufgaben, ermöglicht die nun vorliegende Edition der von den Autoren zusammengestellten, kommentierten und annotierten Sammlung von Ideen, Exzerpten und Thesen einen Blick auf Praktiken kollaborativen Lesens, Forschens und Schreibens.

Neben den Tagebüchern der amerikanischen und der russisch-sibirischen Reise Alexander von Humboldts erscheinen in der edition humboldt digital1 Korrespondenzen, Manuskripte und Notizen, die das Humboldt’sche Forschungsprogramm dokumentieren. Der erste von insgesamt fünf thematischen Schwerpunkten ist den Biowissenschaften, insbesondere Aufzeichnungen zur Pflanzengeographie, gewidmet (Abb. 1). Die in diesem Themenbereich bereits vorliegenden Korrespondenzen bilden Humboldts biowissenschaftliche Interessen werkbiographisch ab: von den frühen physiologischen Versuchen der 1790er Jahre (Samuel Thomas von Soemmerring), über die Auswertung der botanischen Funde der Amerikareise (Karl Ludwig Willdenow und Carl Sigismund Kunth) und die Förderung pflanzengeographischer Forschung jüngerer Gelehrter (Franz Julius Ferdinand Meyen) bis hin zu den Schriften der letzten Lebensjahre (Arbeit an der 3. Auflage der Ansichten der Natur und am Kosmos – C. S. Kunth).2

Die weitere Editionsarbeit konzentriert sich auf ein Desiderat der Humboldt-Forschung – die um 1825 von Humboldt und Kunth projektierte, aber nie erschienene zweite Ausgabe der Ideen zu einer Geographie der Pflanzen. Zu diesem Publikationsvorhaben finden sich im Nachlass Humboldts in der Staatsbibliothek zu Berlin zahlreiche bislang unveröffentlichte Dokumente, die nun im Rahmen der edition humboldt digital erstmals in einer kritischen Edition erschlossen werden. Die von Humboldt und Kunth zusammengestellte, kommentierte und annotierte Sammlung von Exzerpten, Thesen und Stichworten erlaubt die Rekonstruktion ihrer Sicht auf die botanische und biogeographische Forschung um 1825.

Der wichtigen und eigenthümlichsten Arbeiten von mir giebt es nur 3, die Geographie der Pflanzen und das damit verbundene Naturgemälde der Tropenwelt, die Theorie der isothermen Linien und die Beobachtungen über den Erdmagnetismus […].3

Diese Äußerung Alexander von Humboldts, niedergeschrieben 1854 in einem Brief an seinen Verleger Johann Georg von Cotta, zeigt, welche Bedeutung Humboldt den eigenen pflanzengeographischen Forschungen beimaß. Seine 1807 erschienenen Ideen zu einer Geographie der Pflanzen nebst einem Naturgemälde der Tropenländer (Humboldt 1807a; Humboldt 1807b) waren Humboldts einflussreichster Beitrag zu dieser Disziplin. Gemeinsam mit dem Botaniker Carl Sigismund Kunth plante er während der 1820er Jahre eine völlig überarbeitete Neuausgabe des Werkes. In einer im Herbst 1826 erschienenen Verlagsankündigung legte Humboldt dar, wie sich die bearbeitete Fassung vom ursprünglichen Werk unterscheiden sollte. Während sich die Ideen vor allem mit der Tropenvegetation Amerikas beschäftigt hätten, sollte das neue Werk nun die Pflanzengeographie der gesamten Erde umfassen (Humboldt 1826, 57). Seit dem Erscheinen der Ideen hatten Land- und Seereisen neue botanische Erkenntnisse unter anderem über das Nordpolargebiet, Nordamerika, Australien und die Himalaya-Region erbracht. Hinzu kamen detaillierte Regionalfloren Europas, etwa Augustin-Pyrame de Candolles Fortsetzung der Lamarck’schen Flore française oder die vergleichende Pflanzengeographie Lapplands und der Schweiz durch Göran Wahlenberg (Lamarck/Candolle 1805–1815; Wahlenberg 1813). Neben publizierten Forschungsergebnissen versprach Humboldt auch unveröffentlichte Materialen zu nutzen, „welche der Verfasser der Freundschaft mehrer[er] Botaniker und Reisenden“ verdanke (Humboldt 1826, 58).

Die angekündigte Neuausgabe der Ideen zu einer Geographie der Pflanzen ist nie erschienen. Humboldt verließ Paris 1827, ohne dass er und Kunth ein Manuskript an die Verleger Gide und Smith geliefert hätten; über spätere Arbeiten an diesem Projekt ist nichts bekannt.4 Welche Vorarbeiten Humboldt und Kunth zu diesem Zeitpunkt bereits geleistet hatten, zeigen zwei Dokumente, die im Nachlass Alexander von Humboldts in der Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt werden.

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Abb. 2: Humboldts Materialsammlung für die Neuausgabe der Geographie der Pflanzen. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 6, Nr. 50, Bl. 5v. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0002731 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

Im Kasten 6 des Humboldt-Nachlasses liegen in einer von Humboldt mit „Botanique Agriculture I“ beschrifteten Mappe zwei Hefte, jeweils eines von Humboldts bzw. Kunths Hand. Die beiden Hefte sind auf den ersten Blick recht ähnlich aufgebaut: Sie enthalten Themen, Thesen, Forschungsfragen und -ergebnisse, die in die neue Ausgabe der Pflanzengeographie eingehen sollten, zumeist in Form durchnummerierter Stichpunkte. Humboldts Heft enthält 20 Punkte, Kunths 33, von Humboldt um einen 34. ergänzt.

Humboldts Heft besteht aus neun zumeist beidseitig beschriebenen sowie fünf leeren Blättern. Im Heft befinden sich darüber hinaus vierzehn angeklebte oder eingelegte Zettel und Seiten. Das Deckblatt (Bl. 1r) versah Humboldt mit dem Titel „matériaux pour la nouv[elle] édit[ion] de la Géographie des plantes“ und dem Untertitel „un peu [de] Géogr[aphie] des animaux“. In dieser Ideensammlung findet sich eine – oft thesenartige zugespitzte – Diskussion einzelner Stichpunkte, wie „Steppe“, „Extrêmes“ oder „Hybridité“. Zwar handelt es sich bei Humboldts zwanzig Notizen zum großen Teil um Exzerpte aus Arbeiten anderer Autoren, doch positioniert sich Humboldt bereits in der Zusammenstellung gegenüber deren Forschungsergebnissen und prüft ihr Urteil über seine eigenen biogeographischen Arbeiten (Abb. 2).

Kunths Heft besteht lediglich aus acht vorderseitig beschriebenen Blättern. Hinzu kommen Ergänzungen Humboldts sowie sechs aufgeklebte oder eingelegte Zettel, ebenfalls von Humboldts Hand (Abb. 3). Kunths Stichpunkte 1 bis 3 (Bl. 1r) enthalten Grundsätzliches zur Definition und Disziplingeschichte der Pflanzengeographie, zur Pflanzenarithmetik und zu physischen Wachstumsbedingungen. Die mit „Unser Plan“ überschriebenen Punkte 4 und 5 (Bl. 2r–5r) lassen Ideen zum einleitenden Teil des geplanten Buches erkennen. Die folgenden Abschnitte 6 bis 33 (Bl. 5r–8r) hingegen bieten keine klare Gliederung etwa im Sinne eines vorläufigen Inhaltsverzeichnisses.

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Abb. 3: Kunths Ideensammlung. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 6, Nr. 53, Bl. 1r. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0000005 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

Die meisten der 33 Stichpunkte seiner Ideensammlung versah Kunth mit Verweissiglen (Abb. 4). Diese beziehen sich auf mit identischen Siglen versehene Dokumente Humboldts, die dieser Kunth wohl zur Ausarbeitung der Ideensammlung übergeben hatte. Kunths Heft dokumentiert also ein arbeitsteiliges Vorgehen, bei dem das Arbeitsmaterial in Form von Zetteln und Heften zwischen den Autoren hin und her wanderte und gemeinsam bzw. abwechselnd bearbeitet wurde. Ebenso wie die Kunth’sche Ideensammlung finden sich wenigstens 27 der von Kunth und Humboldt mit Siglen versehenen Dokumente heute im Humboldt-Nachlass.5 Die digitale Edition der dort an verschiedenen Stellen abgelegten Fragmente zur Neuausgabe der Geographie der Pflanzen ermöglicht es, die einzelnen Texte miteinander genau in diejenige thematische Beziehung zu setzen, die das Verweissystem vorsah (Abb. 5).

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Abb. 4: Verweissiglen in Kunths Ideensammlung. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 6, Nr. 53, Bl. 6r. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0000005 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

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Abb. 5: Register der Humboldt’schen Verweissiglen in der edition humboldt digital (Ausschnitt) http://edition-humboldt.de/register/siglen/index.xql.

Das von Humboldt und Kunth geordnete Material besteht aus recht heterogenen Textsorten. Häufig sind Auszüge von wenigen Zeilen, die Humboldt aus einem Aufsatz oder einer Buchveröffentlichung vornahm. Diesen Zetteln – die möglicherweise in den betreffenden Publikationen eingelegt waren – gab Humboldt Kurztitel, um eine spätere thematische Zuordnung zu erleichtern. Beispielsweise exzerpierte Humboldt unter dem Titel „Südsee“ Informationen zur Pflanzenwanderung zwischen dem amerikanischen Kontinent, der pazifischen Inselwelt und Australien, die er aus Adelbert von Chamissos 1821 erschienenem Reisebericht entnommen hatte (Chamisso 1821). Er notierte die von Chamisso wahrgenommene geringe Ähnlichkeit der Vegetationen westlich und östlich der Beringstraße und lobte dessen Beobachtungen zur Vegetationsabfolge auf Korallenriffen (Abb. 6). Kunth versah diese Notizen mit der Sigle U und verwies auf sie in seiner Ideensammlung mit dem Eintrag „No. 23. Mer du Sud. Alasca Chamisso U.“ (Abb. 7).

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Abb. 6: Humboldts Exzerpt aus Chamissos Entdeckungsreise in die Süd-See. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 6, Nr. 79a, Bl. 6v. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0007902 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

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Abb. 7: Verweissigle U in Kunths Ideensammlung. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 6, Nr. 53, Bl. 7r. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0000005 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

Unter den Dokumenten finden sich darüber hinaus briefliche Mitteilungen anderer Gelehrter, die zum Teil die Form eigenständiger wissenschaftlicher Abhandlungen annahmen. So fertigte der schottische Botaniker George Arnott Walker-Arnott im März 1825 auf Bitten Humboldts für die Neuausgabe eine fünfzehnseitige Liste zur weltweiten Verbreitung von Moosgattungen an (Abb. 8). Die am oberen Rand der ersten Seite eingetragene Sigle B verweist auf die Nummer 10 der von Kunth 1825 angelegten Ideensammlung „Verbreitung der Moose“ (Abb. 9).

Einige der Dokumente waren ursprünglich im Kontext anderer Publikationen entstanden oder wurden später entsprechend verwendet, stellten aber offenbar Forschungsprobleme dar, die zunächst beziehungsweise nochmals in der Neuausgabe der Geographie der Pflanzen aufgegriffen werden sollten.

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Abb. 8: George Arnott Walker-Arnotts Manuskript zur Geographie der Moose. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 12, Nr. 121, Bl. 1r. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0000007 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

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Abb. 9: Verweissigle B in Kunths Ideensammlung. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 6, Nr. 53, Bl. 6r. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0000005 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

Der Vermerk „No. 15. Flor von Quito. S[iehe] F“ verweist auf die „Énumération des Plantes de la Province de Quito“, eine über 600 Einträge umfassende Einteilung der Pflanzen dieser Region in drei Höhenzonen. Die Angaben hatte Humboldt den ersten sechs Bänden der Nova genera et species plantarum entnommen, möglicherweise für die im siebten und letzten Band erschienene „Flora Quitensis“ (Humboldt/Bonpland/Kunth 1815–1825) (Abb. 10 und 11).

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Abb. 10: Humboldts Énumération des Plantes de la Province de Quito (Ausschnitt). Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 6, Nr. 33, Bl. 3b-r. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0016409 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

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Abb. 11: Verweissigle F in Kunths Ideensammlung. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 6, Nr. 53, Bl. 6r. Lizenziert unter CC BY-NC-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/). edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/H0000005 (zuletzt geprüft am 14.02.2018)

Nach der Rückkehr aus Amerika war es Alexander von Humboldt in kurzer Zeit gelungen, die auf der Reise gewonnenen phytogeographischen Daten und Thesen 1807 in einer für die Disziplin grundlegenden Monographie zusammenzufassen. Die Weiterentwicklung der Pflanzengeographie in den folgenden Jahren zog ihrerseits neuere Gesamtdarstellungen nach sich (z. B. Schouw 1823). Humboldt selbst arbeitete daran, die Pflanzengeographie als Teildisziplin einer „physique du monde“ zu etablieren: Durch die Kombination botanischer, meteorologischer und hypsometrischer Daten sollten weltweite Verteilungsmuster der Pflanzenfamilien aufgespürt und die ermittelten Gesetzmäßigkeiten mittels einfacher Zahlenverhältnisse ausgedrückt werden (vgl. z. B. Humboldt 1816; Humboldt 1817).

Angesichts der methodischen Ausdifferenzierung der Disziplin und einer ständig wachsenden Fülle botanischer Daten war Humboldts und Kunths Plan einer erneuten, auf wenigen hundert Seiten kondensierten paradigmatischen Synthese pflanzengeographischer Forschung nach dem so erfolgreichen Vorbild der Ideen zu einer Geographie der Pflanzen um 1825 jedoch zu einem kaum praktikablen Unterfangen geworden. Hier lag wohl der Grund für das Scheitern des Projekts.

Bibliographie

Chamisso, Adelbert von (1821): Bemerkungen auf einer Entdeckungs-Reise. Unternommen in den Jahren 1815–1818 auf Kosten Sr. Erlaucht des Herrn Reichs-Kanzlers Grafen Romanzoff auf dem Schiffe Rurick unter dem Befehle des Lieutenants der Russisch-Kaiserlichen Marine Otto von Kotzebue (Entdeckungs-Reise in die Süd-See und nach der Berings-Straße zur Erforschung einer nordöstlichen Durchfahrt. Unternommen in den Jahren 1815, 1816, 1817 und 1818 […], Band 3). Weimar: Gebrüder Hoffmann.

Fiedler, Horst/Ulrike Leitner (2000): Alexander von Humboldts Schriften. Bibliographie der selbständig erschienenen Werke. Hrsg. von Horst Fiedler und Ulrike Leitner (Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 20). Berlin: Akademie Verlag.

Fischer, Ernst Gottfried (1808): Untersuchung über den eigentlichen Sinn der höheren Analysis, nebst einer idealischen Übersicht der Mathematik und Naturkunde nach ihrem ganzen Umfang. Berlin: Johann Friedrich Weiss.

Humboldt, Alexander von (1807a): Essai sur la Géographie des Plantes accompagné d’un tableau physique des régions équinoxiales. Fondé sur des mesures exécutées, depuis le dixième degré de latitude boréale jusqu’au dixième degré de latitude australe, pendant les années 1799, 1800, 1801, 1802 et 1803. Par Al. de Humboldt et A. Bonpland. Rédigé par Al. de Humboldt. Tübingen/Paris: Cotta/Schoell.

Humboldt, Alexander von (1807b): Ideen zu einer Geographie der Pflanzen. Nebst einem Naturgemälde der Tropenländer, auf Beobachtungen und Messungen gegründet, welche vom 10ten Grade nördlicher bis zum 10ten Grade südlicher Breite, in den Jahren 1799, 1800, 1801, 1802 und 1803 angestellt worden sind. Von Al. von Humboldt und A. Bonpland. Bearbeitet und herausgegeben von dem Erstern (Al. von Humboldt und Aimé Bonpland’s Reise. Erste Abtheilung: Allgemeine Physik und historischer Theil der Reise. Band I). Tübingen/Paris: Cotta/Schoell.

Humboldt, Alexander von (1816): „Sur les lois que l’on observe dans la distribution des formes végétales.“ In: Annales de Chimie et de Physique 1, 225–239.

Humboldt, Alexander von (1817): De distributione geographica plantarum secundum coeli temperiem et altitudinem montium prolegomena. Accedit tabula aenea. Paris: Libraria Graeco-Latino-Germanica.

Humboldt, Alexander von (1826): „Bei Gide fils zu Paris, rue St. Marc-Feydeau, Nr. 20, wird von der Reise der Herrn von Humboldt und A. Bonpland erscheinen: die Geographie der Pflanzen nach der Vergleichung der Erscheinungen, welche die Vegetation der beiden Festlande darbietet, von den Herrn Alexander von Humboldt und Karl Kunth.“ [Verlagsankündigung.] In: Hertha 7 (1/II), 52–60.

Humboldt, Alexander von (2009): Alexander von Humboldt und Cotta – Briefwechsel. Hrsg. von Ulrike Leitner unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch (Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, 29). Berlin: Akademie Verlag.

Humboldt, Alexander von / Aimé Bonpland / Carl Sigismund Kunth (1815–1825): Nova genera et species plantarum quas in peregrinatione ad plagam aequinoctialem orbis novi collegerunt, descripserunt, partim adumbraverunt Amat. Bonpland et Alex. de Humboldt. Ex schedis autographis Amati Bonplandi in ordinem digessit Carol. Sigismund. Kunth. Accedunt tabulae aeri incisae, et Alexandri de Humboldt notationes ad geographiam plantarum spectantes (Voyage de Humboldt et Bonpland. Sixième partie. Botanique) 7 Bände. Paris: Libraria graeco-latino-germanica.

Kraft, Tobias (2017): „Die Berliner Edition Humboldt digital“. In: HiN – Alexander von Humboldt im Netz. Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien 18 (34), 3–16. DOI: 10.18443/256 (zuletzt geprüft am 02.05.2018).

Lamarck, Jean-Baptiste de/ Augustin-Pyrame de Candolle (1805–1815): Flore française, ou descriptions succinctes de toutes les plantes qui croissent naturellement en France, disposées selon une nouvelle Méthode d’Analyse, et précédées par une Exposé des Principes élémentaires de la Botanique. 6 Bände. Paris: H. Agasse.

Schouw, Joakim Frederik (1823): Grundzüge einer allgemeinen Pflanzengeographie. Berlin: G. Reimer.

Wahlenberg, Göran (1813): De vegetatione et climate in Helvetia Septentrionali inter flumina Rhenum et Arolam observatis et cum summi septentrionis comparatis tentamen. Zürich: Orell, Fuessli et Soc.

1 edition humboldt digital. Eine Publikation des Akademienvorhabens „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. URL: http://edition-humboldt.de/, zuletzt abgerufen am 14.02.2018.

2 Vgl. zu diesen Korrespondenzen Kraft 2017 sowie die jeweiligen Einführungen in der edition humboldt digital: http://edition-humboldt.de/X0000003 (Soemmerring); http://edition-humboldt.de/X0000005 (Willdenow); http://edition-humboldt.de/X0000006 (Kunth); http://edition-humboldt.de/X0000004 (Meyen), zuletzt abgerufen am 17.04.2018.

3 Humboldt an Johann Georg von Cotta, Potsdam, 31. Oktober 1854 (Humboldt 2009, 545).

4 Vgl. Fiedler/Leitner 2000, 240–242.

5 Im Moment sind von diesen 27 Dokumenten 26 in der edition humboldt digital verfügbar. Ein weiteres Manuskript, das die Sigle R trägt und Humboldts Exzerpte aus Ernst Gottfried Fischers Untersuchung über den eigentlichen Sinn der höheren Analysis (Fischer 1808) enthält, wird im Moment für die Edition vorbereitet. Vgl. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Alexander von Humboldt, gr. Kasten 12, Nr. 99b, Bl. 80 (http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001A59600000177, zuletzt abgerufen am 17.04.2018). Ich danke Dominik Erdmann, der das Blatt im Nachlass aufgespürt hat.



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